100 Tage sind in diesem Jahr schon vergangen – ist euch die Zeit schnell oder langsam vorgekommen?

Wenn ihr „schnell“ antwortet, dann geht es euch gleich wie mir. Sehr schnell sogar! Es kommt mir nicht lange her vor, seit ich am 3. Januar vor der Tür des verschlossenen Gemeindehauses stand und vergebens meinen Gemeinderats-Laptop abholen wollte. Ein von Burglind verursachter Stromausfall hatte die Eingangstür blockiert und das IT-System lahmgelegt. Am Tag darauf funktionierte alles wieder, seitdem konnte ich einen bunten Strauss von Eindrücken und Erfahrungen als Gemeinderat sammeln. Da sind zum einen natürlich die Gemeinderatssitzungen, fünf bis jetzt. Es macht mir grosse Freude, Teil dieses Gremiums zu sein und über viele spannende Fragen entscheiden zu dürfen. In meinem Alltag eine weit prägendere Rolle spielen aber die Besprechungen mit meinen Abteilungsleuten, die ich wöchentlich sehe, die Sitzungen von Bau- und Liegenschaftskommissionen, die Sitzungen des Ortsplanungsausschusses, der Projektgruppe Schulraumplanung sowie Sitzungen mit Begleitgruppen sowie zahlreiche weitere Termine und Besprechungen. Aus diesem Strauss pflücke ich drei Blumen heraus: die grösste Veränderung seit meinem Amtsantritt, die grösste Herausforderung in dieser Zeit und die grösste Lernerfahrung, die ich gemacht habe.

Die grösste Veränderung? Ganz klar die Art, wie ich unser Dorf anschaue, wenn ich hindurch laufe oder fahre. Mein Ressort Hochbau / Planung bringt es mit sich, dass ich sowohl über die gerade bewilligten Baugesuche als auch über die grossen Fragen der Ortsplanung informiert bin. Anfang Januar habe ich beim durchs Dorf spazieren noch das gesehen, was heute ist. Jetzt sehe ich die Dinge so, wie sie morgen Realität sein werden. Zum Beispiel der kürzlich bewilligte Gartensitzplatz bei Wasems im Tonisbach. Oder was in einigen Jahren Konolfingen prägen wird – zum Beispiel die grüne Wiese links vom heutigen Migros, wo die neue Migros gebaut und die Inselistrasse verkehrsberuhigt wird. Oder, wenn die Bevölkerung Ja dazu sagt, das kreisförmige Primarschulhaus auf dem Hübeli, auf der Wiese gleich rechts vom Schulhaus Stalden. Manchmal sehe ich auch Fragezeichen, zum Beispiel neben dem Wullehus vor der Unterführung Richtung Bahnhof, wo in Zukunft der südliche Bahnhofvorplatz sein wird und für VelofahrerInnen noch eine gute Lösung für die Einfahrt in Richtung Kreisel gefunden werden muss. Oder das eine oder andere Areal in unserem Dorf, wo aus ortsplanerischer Sicht Fragen da sind, die wir noch beantworten müssen. All diesen Blicken auf künftige Entwicklungen gemeinsam ist die Gewissheit, dass sich Konolfingen wandelt und gedeiht, und meine Freude, bei diesem Wandel eine Rolle spielen zu dürfen.

Die grösste Herausforderung? Stellt euch vor, ihr leitet als zuständiger Gemeinderat wenige Wochen nach Amtsantritt einen Workshop zur Weiterentwicklung des Inseliareals mit einem Dutzend Akteuren, die alle ihre spezifischen Bedürfnisse, Erwartungen und Hoffnungen haben und diese durchaus mit Nachdruck zum Ausdruck bringen. Das ist positiv und sehr wertvoll, doch ist es nicht immer einfach, gemeinsame Nenner zu finden. Insbesondere, wenn man wie ich nach so kurzer Zeit noch nicht allzu viel Dossierkenntnis hat. In intensiven und konstruktiven Diskussionen gelang es uns aber, einige Leitlinien herauszuarbeiten, an denen wir uns für die kommenden Workshops orientieren können. Das Planungsbüro, das uns in dieser Sache begleitet, ist nun an der Arbeit und wird uns verfeinerte Hypothesen zur weiteren Entwicklung präsentieren. Diese werden wir dann Ende April zu zwölft wiederum mit Verve diskutieren. Ich freue mich darauf und bin zuversichtlich, dass wir am Ende zu einer ganzheitlichen Vision für das Inseli als attraktives Freizeit- und Begegnungszentrum im Sinn der Allgemeinheit kommen werden.

Und der grösste Lerneffekt? Ich mache mir bei jeder Sitzung Notizen. Jeweils ganz am Schluss notiere ich auch meine „Learnings“, also das, was ich für mich mitnehme. Am Ende einer Sitzung stand dort „Strategisches Denken ist anstrengend!“. Wir sind uns gewohnt, die Einkäufe für die nächste Woche zu notieren, eine Sitzung für den nächsten Monat zu vereinbaren oder die Ferien fürs nächste Jahr zu planen. Manchmal kommen wir auch dazu, über das Ende einer mehrjährigen Weiterbildung hinauszuschauen – das ist dann aber schon sehr weit weg. Dachte ich. Doch seit Januar bin ich ständig wieder mit Situationen konfrontiert, wo ich mich fragen muss: Was ist in zehn Jahren? Und was in 20? Im Alltag kann man sich solche Fragen stellen, wenn man will, muss aber nicht. Als Gemeinderat mit dem Ressort Planung hingegen sind solche Fragen tägliches Brot, bisweilen ziemlich hartes. Vorausdenken, Wichtiges von Unwichtigem trennen, sich Szenarien dazu vorstellen, am Ende die richtigen Schlüsse für die heutigen Entscheide daraus ziehen – das ist anstrengend, besonders jetzt zu Beginn. Gleichzeitig ist es ein grosses Privileg für mich, mir solche Gedanken machen zu müssen – denn es ist meine Verantwortung, die ich sehr gerne wahrnehme.

Zum Schluss: Wie es mir dabei geht? Sehr gut, wie ihr in und zwischen den obigen Zeilen sicher schon erkannt habt. Das Amt bereitet mir sehr viel Freude. Nun bin ich gespannt auf die nächsten Monate. Ihr lest von mir.

PS: Wenn ihr konkrete Fragen, einen Wunsch oder eine Idee für den Blog habt, dürft ihr mir sehr gerne schreiben. Schliesslich weiss auch ich noch nicht so genau, wo die Reise dieses Blogs genau hingeht. Ich freue mich über jede Rückmeldung.

100 Tage Gemeinderat

2 thoughts on “100 Tage Gemeinderat

  • 12. April 2018 at 0:19
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    Super Beitrag! Super Arbeit! Wünsche dir weiterhin viel Freude.

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    • 12. April 2018 at 17:11
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      Herzlichen Dank, Christian!

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